SO 29.10.17

Nadolny / Degen „You´re My Everything“
Shabaka & The Ancestors

Mousonturm Lokal 12 Uhr

Konzert 1

Nadolny / Degen „You´re My Everything“
Nadolny / Degen „You´re My Everything“

Matthias Nadolny / Bob Degen „You´re My Everything“

“Jazz und richtig guter Fußball haben viel gemeinsam“, sagt Matthias Nadolny und meint dabei vor allem die Improvisationsfähigkeiten der Protagonisten in beiden Lagern. Und dann kommt der Saxofonist gleich auf seinen Duopartner Bob Degen zu sprechen. Den kenne er schon seit gemeinsamen Tourneen Anfang der 90er Jahre und Bob sei einer der ganz wenigen, die nicht nur die Mitspieler überraschen könnten, sondern sogar noch sich selbst. Und damit war der Frankfurter Pianist natürlich erste Wahl für Aufnahmen im Duo vor zwei Jahren im Tonstudio der Folkwang Universität der Künste in Essen. Dort ist Nadolny seit langem Jazz-Professor und eigentlich hatte die gemeinsame Session einen sehr privaten Hintergrund: Die CD-Aufnahmen waren ein Geburtstagsgeschenk für Nadolnys Ehefrau. Doch diese und viele andere, die die Musik hörten, überzeugten den Dortmunder Saxofonisten schließlich, die Platte zu veröffentlichen. Mit Erfolg: die Aufnahme erhielt u.a. den Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik und wurde „ CD der Woche“ beim Norddeutschen Rundfunk. Intensive und intime Aufnahmen sind das geworden, Nadolny wählte zehn eher weniger bekannte Jazz-Standards, dazu eine Komposition von Bob Degen. Ohne jegliche Probe und in nur vier Stunden nahmen die beiden Musiker das Material auf, oft genügte ein einziger Anlauf, der berühmte „First Take“.
Matthias Nadolny wurde 1957 geboren und wer den Tenorsaxofonisten einmal gehört hat, der wird dessen Spiel nicht wieder vergessen. Ungeheuer viel Luft prägt den sehr persönlichen Ton auf dem Instrument, Nadolny hat dabei die hohe Kunst des Weglassens nahezu perfektioniert. Hierdurch entstehen ungemein sinnliche Momente und ein Klang, nach dem man süchtig wird, schreibt die Presse. In seiner langen Karriere arbeitete Nadolny mit Uli Beckerhoff, John Taylor, Norma Winston und vielen anderen. Schon vor 20 Jahren erschien ein ebenfalls preisgekröntes Album im Duo, damals mit dem Bassisten Gunnar Plümer.
Wer Bob Degen als Frankfurter bezeichnet, der liegt natürlich nicht falsch. Zwar wurde der Pianist 1944 in Scranton/Pennsylvania geboren und fand in Amerika dank seines Vaters schon früh zum Jazz. Doch spätestens seit den 70-er Jahren ist er fester Bestandteil der Frankfurter Szene. Seine Musikalität habe das Niveau der deutschen Jazzwelt entscheidend angehoben, sagt Tony Lakatos, Saxofonist der hr-Bigband. Bob Degen spielte schon früh mit Albert Mangelsdorff, im hr-Jazzensemble und mit Heinz Sauer, aber auch mit Dexter Gordon, Art Farmer und Lee Konitz. 1994 erhielt er den Hessischen Jazzpreis und überzeugt seit Jahrzehnten durch sein gekonntes Spiel im Spannungsfeld von Tradition und Moderne sowie seine unnachahmliche Fähigkeit, in allen Formationen nahezu gleichzeitig ein guter Zuhörer und maßgeblicher Impulsgeber zu sein.
Matthias Nadolny und Bob Degen, Meister des musikalischen Doppelpasses, werden im Frankfurter Mousonturm ihre gemeinsame CD vorstellen, so ist es zumindest geplant. Doch Nadolny hält es da mit dem legendären Ruhrgebietsfußballer und Trainer Adi Preißler: „Grau ist alle Theorie, maßgebend is auffem Platz!“

Matthias Nadolny | Tenorsaxophone
Bob Degen | Piano

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Konzert 2

Shabaka & the Ancestors
Shabaka & The Ancestors

Mousonturm Saal 20 Uhr

Shabaka & The Ancestors

„Jazz ohne Grenzen“ will Shabaka Hutchings machen, denn es geht ihm „um Klangfarben und Texturen, weniger um Akkordprogressionen. Die meiste Musik, die ich mir anhöre, hat ihre Wurzeln in Afrika. Dort steht die rhythmische Entwicklung, die Entwicklung von Melodien und Klängen im Vordergrund, nicht die harmonische Struktur. Daraus beziehe ich meine Inspiration.“ Soweit Hutchings im Interview mit dem Magazin Jazzthetik, das ihn als „neuen Star der englischen Post-Jazz-Szene“ feiert. Tatsächlich spielt der Londoner kaum noch in Jazzclubs, weil die schlichtweg zu klein geworden sind. Seine Band „Sons of Kemet“ zieht 700 überwiegend junge Menschen ins „Village Underground“, die sich zu der eigenwilligen Musik von zwei Schlagzeugern, Tuba und Saxofon in einen Rausch tanzen. „Wir zielen auf körperliches Hören. Das Publikum bewegt sich, die Musiker bewegen sich. Es entstehen gemeinsame Schwingungen“, beschreibt Shabaka die Spielhaltung des Quartetts, die für seine anderen Bandprojekte gleichermaßen gilt: für die psychedelischen Klangorgien seines Elektro-Trios „The Comet is Coming“ wie für seine südafrikanische Großformation „The Ancestors“.

Shabaka
Shabaka

„Wir wollen dem Publikum etwas geben, das über uns hinausgeht.“ Und das ist mehr als „nur“ eine gemeinsame Erfahrung von Ekstase und Katharsis. Wie die Calypso-Sänger der Karibik versteht sich Shabaka Hutchings als Entertainer und Chronist in Personalunion. 1984 in London als Sohn afrokaribischer Eltern geboren, lebte er vom sechsten bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr auf Barbados, wo er eine klassische Klarinettenausbildung begann, aber auch in Calypso-Bands spielte. Diese Doppelexistenz setzte sich später in London fort, wo er tagsüber Klarinette an der renommierten Guildhall School of Music studierte und sich abends in die Jazzszene der Stadt stürzte. Bald spielt er mit Courtney Pine’s Jazz Warriors ebenso wie mit Soweto Kinch, Louis Moholo, Mulato Astatke, der Band Polar Bear oder auch dem Sun Ra Arkestra. Von Postbop bis Free und von World Jazz bis zu den angesagtesten Formationen des zeitgenössischen britischen Jazz, damit ist die  erstaunliche Breite von Shabaka Hutchings Schaffens längst noch nicht vollständig umrissen, denn er hat auch Kompositionsaufträge für Orchester und Kammermusik erhalten und man hört sogar von dem Plan, eine Oper zu schreiben. Die Liste seiner Auszeichnungen, vom MOBO-Award (2013) bis zum Jazz FM Award als UK Act of the Year (2017), belegen eindrucksvoll die Ausnahmeklasse dieses erstaunlichen Musikers.
Als Shabaka 2008 zum ersten Mal nach Südafrika reiste, staunte er über die hochkarätige junge Musikerszene, das begeisterungsfähige Publikum und die warmherzige, offene Art der Menschen. Dies und die Liebe zu einer Frau führten dazu, dass er von da an mehrere Monate des Jahres in Johannesburg verbrachte. Mit  „Wisdom of the Elders“ stellte Hutchings dann 2016 seine südafrikanische Band „The Ancestors“ vor: Eine kraftvolle Bläser-Frontline aus drei Bläsern wird getragen vom polyrhythmischen Teppich aus Bass, Schlagzeug und Perkussion und ergänzt um die kraftvolle Stimme von Siyabonga Mthembu, der zornig rezitiert oder im Unisono mit dem Tenorsaxofon singt. In dieser farbenreichen Musik blitzen viele Bezüge auf: von Bitches Brew über die Last Poets und Afro-Futurism bis hin zur Hymnik eines John Coltrane. Ja, man kann diese Musik auch intellektuell hören. Aber gleichzeitig kann man sich von den unwiderstehlichen afrikanischen und karibischen Rhythmen mitnehmen lassen auf einen Trip. Zur Europatournee bringt

Shabaka Hutchings | Tenor Saxophone
Mthunzi Mvubu | Alto Saxophone
Siyabonga Mthembu | Vocals
Ariel Zamonsky | Bass
Gontse Makhene | Percussion
Tumi Mogorosi | Drums

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