MI 26.10.16

Django Bates & hr-Bigband celebrate „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“
Chucho Valdés / Joe Lovano Quintet

Alte Oper 20 Uhr

Konzert 1

Django Bates
Django Bates

Django Bates & hr-Bigband celebrate „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“

Auf der vom Rolling-Stone-Magazin aufgestellten Liste der 500 wichtigsten Rockalben belegt Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von den Beatles den 1. Platz als bis heute „unübertroffenes Abenteuer in Konzept, Songwriting, Cover Art und Studiotechnologie.“ Auch wenn derlei Hitlisten fragwürdig sind, illustriert diese doch einmal mehr die herausragende Stellung von „Sgt. Pepper“. Das Erscheinen der Platte im Sommer 1967 wurde von unzähligen Fans weltweit als Epiphanie erlebt. Es war der Sommer, der in San Francisco als „Summer of Love“ begangen wurde: Hippie-Bewegung und Psychedelic Rock trugen ihren Gegenentwurf zur materialistischen Gesellschaft erstmals selbstbewusst in die Öffentlichkeit. Sgt. Pepper mit seinen revolutionär neuen Sounds und den Anspielungen auf die bewusstseinserweiternde Wirkung von Drogen wurde nicht einfach nur gehört, sondern mit religiöser Ehrfurcht rezipiert. Im August 1966 hatten die Fab Four ihr letztes Live-Konzert gegeben, um sich fortan als reine Studioband neu zu erfinden. Befreit vom Zwang auch nur einen der Songs später live spielen zu müssen, nutzten sie die Möglichkeiten der Studiotechnologie in einer noch nie dagewesenen Weise. Vom Zerschneiden und Neu-Zusammensetzen von Aufnahmen viktorianischer Dampfpfeifenorgeln bis hin zu den vierfach per Overdubbing übereinandergeschichteten Orchesterglissandi in „A Day In The Life“ entwickelten sie zusammen mit ihrem Produzenten George Martin und dem Toningenieur Geoff Emerick auch in aufnahmetechnischer Hinsicht eine bis dahin nie dagewesene Kreativität, um ihre künstlerische Vision Gestalt annehmen zu lassen.

Im Vorgriff auf den 50jährigen Geburtstag des epochalen Albums, der 2017 sicher für großen Wirbel sorgen wird, eröffnet die hr-Bigband das 47. Deutsche Jazzfestival Frankfurt mit einer zeitgenössischen Jazzversion von Sgt. Pepper. Schließlich begannen die Aufnahmen im Londoner Abbey Roads Studio bereits am 24. November 1966. Die Herausforderung, diesen Monolithen der Popkultur zu dekonstruieren und aus der Jazzperspektive wieder neu zusammenzusetzen, übernimmt Django Bates. Mit überbordender Kreativität, entschiedener Individualität, anarchischem Humor und unglaublicher Musikalität, verkörpert er jenen „sehr britischen“ Künstlertypus, den man auch den Fab Four nachsagt. Seit er in den 80er Jahren als Mastermind der britischen Loose Tubes international bekannt wurde, hat er sein Können sowohl als Instrumentalist, Komponist und Arrangeur in den unterschiedlichsten Zusammenhängen unter Beweis gestellt. Er hat als Musiker mit Bill Bruford, Dudu Pukwana, Wynton Marsalis oder Michael Brecker gespielt, Kompositionen für das Dutch Metropole Orchestra, Britten Sinfonia, die Royal Shakespeare Company oder die hr-Bigband verfasst und wurde 1997 mit dem Danish Jazzpar Prize ausgezeichnet.

Stuart Hall
Stuart Hall

Nachdem die Anfrage zu diesem Projekt in Frankfurt an Bates herangetragen wurde, entwickelte er als erstes einen Rahmen für seine Arbeit: Nicht nur sollten sämtliche Liedtexte unverändert bleiben, sie sollten auch in der gleichen Reihenfolge, der gleichen Tonart und Tonhöhe wie auf dem Album erklingen. Die schwierige Frage, wer das singen könne, löste sich ganz natürlich, als Peter Bruun, der Schlagzeuger von Bates‘ Trio, seinen dänischen Landsmann Martin Dahl vorschlug. Der ist nicht nur ein hervorragender Sänger, dessen Stimme wie eine Mischung aus McCartney und Lennon klingt, er spielt zusammen mit Bruun auch in dem Artpop-Trio „Eggs laid by Tigers“. Dritter im Bunde ist der Bassist Jonas Westergaard, der dem deutschen Publikum etwa aus der Berliner Formation „Grund“ bekannt ist. Zu ihnen stößt in Frankfurt der englische Multiinstrumentalist Stuart Hall, der Geige und diverse andere Saiteninstrumente beisteuert.

Westergaard - Dahl - Bruun
„Eggs Laid by Tigers“ : Westergaard – Dahl – Bruun

Einer der Gründe, weshalb Django Bates spontan zugesagt hat, als die Anfrage aus Frankfurt an ihn herangetragen wurde, war die Tatsache, dass die Musik von Sgt. Pepper nie live zu hören gewesen ist. Seit April 2016 bringt allerdings eine britische Truppe die „Sessions at Abbey Roads“ auf die großen Bühnen, um live zu demonstrieren, wie die Aufnahmen der Beatles entstanden. Im Gegensatz zu dieser Lehrstunde in Sachen Popgeschichte, nimmt Django Bates die hr-Bigband und das Publikum auf einen spannenden Trip mit, der dem Geist des Originals wohl näher kommen wird.
Ein Auftrag von hr-Bigband, Norbotten Big Band, Danish Radio Big Band und UMO Jazz Orchestra.
Gefördert von den Freunden und Förderern der hr-Bigband e.V.

Django Bates | keys, voc
Stuart Hall | guit, violin, string things

„Eggs Laid by Tigers“:
Martin Dahl | voc
Jonas  Westergaard | bass, voc
Peter Bruun | drums, voc

Weblinks

Django Bates | zur Webseite von Django Bates
Über Dahl, Westergaard und Bruun | zur Website von Eggs Laid by Tigers
Stuart Hall | auf Wikipedia


Konzert 2

Joe Lovano & Chucho Valdes
Joe Lovano & Chucho Valdes

Chucho Valdés / Joe Lovano Quintet

Er ist der große, alte Mann des kubanischen Jazz und gilt als Duke Ellington Kubas: Chucho Valdés. Der Pianist und Komponist, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert, steht wie kein anderer für die gelungene Verbindung von kubanischer Musik mit anderen Musikgenres. Seit einem halben Jahrhundert ist er eine Schlüsselfigur in der Weiterentwicklung des afro-kubanischen Jazz, eine Ausnahmeerscheinung.

Valdés entstammt einer Pianistenfamilie aus Havanna und spielte schon mit drei Jahren Klavier. Mit 16 war er Kopf einer ersten eigenen Band und studierte später am Konservatorium der kubanischen Hauptstadt. 1967 gründete er das „Orquesta Cubana de Musica Moderna“, zusammen mit Trompeter Arturo Sandoval und Saxofonist Paquito D’Rivera. Fünf Jahre später entsteht auch mit diesen beiden die wegweisende Formation „Irakere“. Die Gruppe besteht bis heute und wird inzwischen von Valdés‘ Sohn Jesus „Chuchito“ geleitet.

Die Band „Irakere“ prägte seit den 70er Jahren die afrokubanische Musik und den Latinjazz maßgeblich mit. Mit ihrer Fusion aus Funk und Salsa sowie ihrem mitreißenden Sound wurde sie auf allen bedeutenden Jazzfestivals der Welt gefeiert. Eigentlich war Jazz im nachrevolutionären Kuba als die Musik der ungeliebten Imperialisten aus den USA tabu. Aber „Irakere“ fanden einen besonderen Weg: Sie  afrikanisierten ihn im  Rahmen der Rückbesinnung Kubas auf seine afrikanischen Wurzeln. „So konnten wir sagen, dass wir keine Yankee-Musik spielen, sondern eine Mischung aus Jazz und afrokubanischer Musik“, erinnert sich Chucho Valdés. „Das hat uns geholfen und wir konnten unsere Jazz-Leidenschaft verdecken“.

Seit längerem konzentriert sich der spektakulär virtuose Pianist jetzt auf intimere Besetzungen mit viel Raum für Improvisation. Eine von diesen sind die „Afro-Cuban Messengers“. Ähnlich wie einst Art Blakey räumt er hier seinen Mitmusikern einen großen Stellenwert ein, fördert und fordert den musikalischen Nachwuchs.

In Frankfurt trifft Chucho Valdés in einem Quintett mit kubanischer Rhythmusgruppe auf den amerikanischen Saxofonisten Joe Lovano. Beide Künstler veröffentlichen übrigens seit Jahrzehnten ihre Platten auf dem renommierten Label „Blue Note“. Lovano ist ein Tenor-Gigant, einer der kreativsten und swingendsten Saxofonisten überhaupt, der alle Stile des Jazz souverän beherrscht, von der Tradition bis zur Moderne.

Franciso Mela
Francisco Mela

Joe Lovano, geboren 1952, ist, wie auch Chucho Valdés, ein begnadeter Solist mit Personalstil und einem unverwechselbaren Sound. In einer musikalischen Familie und mit der Musik von Charlie Parker, Dizzy Gillespie und John Coltrane wuchs Lovano in Cleveland auf. Später arbeitete er in der Band des Organisten Dr. Lonnie Smith, ging dann nach New York und spielte mit Chet Baker und Woody Herman. Es folgten umjubelte Konzerte mit verschiedensten Formatione. Besonders begeisterte Lovano an der Seite John Scofields, in dessen Quartett er fünf Jahre lang spielte. Heute ist der Saxofonist u.a. Leiter des Quintetts „Us Five“, Schlagzeuger hier ist der Kubaner Francisco Mela. Und der wird beim Auftritt des „Chucho Valdés / Joe Lovano Quintetts“ beim Deutschen Jazzfestival Frankfurt mit von der Partie sein. Ebenso zwei weitere junge Kubaner, mit denen wiederum Chucho Valdés seit längerem zusammen arbeitet: Bassist Gastón Joya und Perkussionist Yaroldy Abreu Robles. Unterstützt von dieser heißen Rhythmusgruppe machen die beiden mehrfachen Grammy-Gewinner Valdés und Lovano die Begegnung in der Alten Oper zu einem weiteren Gipfeltreffen zwischen Kuba und den USA, dieses Mal zu einem musikalischen!

Chucho Valdés | piano
Joe Lovano | sax
Gastón Joya | bass
Francisco Mela | drums
Yaroldy Abreu Robles | perc

Weblinks

Chucho Valdés | Video über Chucho Valdés
Joe Lovano | Zur Webseite von Joe Lovano