MI 25.10.17

Cory Henry & hr-Bigband „The New Gospel“
Cory Henry & The Funk Apostles

Alte Oper 20 Uhr

Konzert 1

Cory Henry
Cory Henry

1. Konzerthälfte:

“The New Gospel”

hr-Bigband „The New Gospel” feat. Cory Henry, Hammond B3, Denise Stoudmire und Tiffany Stevenson, Gesang & hr-Bigband, Leitung: Jim McNeely

Cory Henry | Hammond B3
Denise Stoudmire | Vocals
Tiffany Stevenson | Vocals
Jim McNeely | Leitung
hr-Bigband

WEBLINKS

Cory Henry im Internet: http://coryhenry.com/

hr-bigband im Internet: http://www.hr-bigband.de/index.html


Konzert 2

Cory Henry & The Funk Apostles
Cory Henry & The Funk Apostles

2. Konzerthälfte:

Cory Henry & The Funk Apostles

Im Jahr, in dem man vielerorts das 100. Jubiläum der ersten Schallplattenaufnahme der Jazzgeschichte feiert, spannt das Deutsche Jazzfestival den Bogen noch weiter zurück: zum spirituellen Herzschlag aller afroamerikanischen Musik überhaupt, den Gospels und Spirituals. Denn vor genau 150 Jahren erschien mit „Slave Songs of the United States“ die erste Notensammlung afroamerikanischer Lieder. Im Vorwort äußern die Verfasser selbst ihre Verwunderung darüber, da doch die musikalische Kompetenz der „negro race“ schon so lange bekannt sei. Das Erscheinungsdatum 1867 ist jedoch kein Zufall, denn erst nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges machten sich Lucy McKim Garrison, William Allen und Charles Ware auf, um die nach Abschaffung der Sklaverei vermeintlich dem Untergang gewidmete Musikkultur auf den Plantagen des Südens zu dokumentieren. Unter den 130 Liedern, „taken down from the lips of the colored people themselves“, finden sich Spirituals wie „Michael row the boat ashore“, „Nobody knows the trouble I’ve seen“ oder „He’s got the whole world in his hand“. Typische Synkopierungen und Blue Notes lassen sich in den Noten erstmals nachweisen. Weitere Hinweise liefern drei Herausgeber – heute würde man sie Musikethnologen nennen – in ihrer Beschreibung der Schwierigkeiten beim Transkribieren der „negro melodies“: Die Stimmen der Farbigen hätten eine besondere Qualität, die nicht imitiert werden könne, die rhythmische Vielfalt im Wechselgesang zwischen Vorsänger und antwortender Gruppe sei schwer kalkulierbar und die „intonations and delicate variations“ selbst einer einzigen Stimme könnten nicht umfassend in Notenform aufgeschrieben werden. Auf dem Papier fände sich letzten Endes nur ein schwacher Abglanz des Originals. So liefert „Slave Songs of the United Slaves“ – zehn Jahre vor der Erfindung der Schallaufzeichnung und fünfzig Jahre vor der ersten Jazzplatte – schlagkräftige Beweise dafür, welche musikalischen Elemente die Welt den afrikanischen Sklaven in der Neuen Welt verdankt.

hr-Bigband
hr-Bigband

Grund genug für das Deutsche Jazzfestival, dieses Jubiläum in seinem Eröffnungskonzert zu feiern – aus der Jazzperspektive natürlich und mit dem entsprechenden musikalischen Anspruch. Fixpunkt des Abends ist nicht etwa – wie es auf der Hand läge – eine stimmgewaltige Diva, sondern Cory Henry, DIE anerkannte Gospelgröße der jungen Generation. In seiner Heimatgemeinde in Brooklyn nannte man bereits den Fünfjährigen “Master Cory”, weil er jeden Song auf der Hammond-Orgel begleiten konnte, egal in welcher Tonart er angestimmt wurde. Schnell entwickelte sich der Wunderknabe zum Virtuosen sämtlicher Tasteninstrumente von Klavier bis Synthesizer und zum Meister aller Stile von Jazz bis Fusion. Mit der Hammond-Orgel scheint der inzwischen 30-jährige regelrecht verwachsen zu sein und bedient die Zugriegel mit der gleichen traumwandlerischen Virtuosität wie die Tasten. Das Rhodes groovt unter seinen Fingern so dynamisch wie bei George Duke und den Synthesizer lässt er so beseelt singen wie Joe Zawinul. Im Grammy-gekrönten Musiker-Kollektiv Snarky Puppy sorgt Cory Henry für die spektakulärsten Szenen. Im fast 10-millionenfach gesehenen Youtube-Video „Lingus“ bringt allein sein Synthesizer-Solo die gut geölte Maschinerie aus cleverer Komposition und präziser Performance zum Abheben. Was andernfalls Gefahr liefe, sich tot zu laufen, wird so zum schlagenden Beweis für die Kraft der Improvisation. Kein Wunder, dass die Fangemeinde des charismatischen Tastenvirtuosen schnell wächst. Auftritte in der Tonight-Show oder bei einem großen BBC-Proms-Konzert zu Ehren von Quincy Jones,  wo er „Billie Jean“ sang, belegen das ebenso wie sechsstellige Klickzahlen selbst für Videos, in denen er Instrumente ausprobiert oder Workshops gibt. Wenn er sich beim Improvisieren selbst überrascht, lächelt er wie ein Kind im Spielzeugladen: Selten vermittelt sich die positive Kraft der Musik auf so ungekünstelt-symphatische Weise.

In der Alten Oper wird Cory Henry in der ersten Konzerthälfte zusammen mit der hr-Bigband unter Leitung von Jim McNeely seine Gospelroots feiern. Zusammen suchen die beiden Musiker Songs für diesen Programmteil aus, die McNeely dann in einen zeitgenössischen jazzorchestralen Rahmen einkleiden wird, ohne sie ihrer Kraft zu berauben. So wird die hr-Bigband zum fliegenden Teppich, auf dem Cory Henry an Hammond-Orgel, möglicherweise auch Synthesizer und als Sänger garantiert abheben wird. Als Flugbegleiterinnen fungieren die beiden Sängerinnen der „Funk Apostles“.

In der zweiten Konzerthälfte steht der „Gospel’n’Groove-Guru von Gottes Gnaden“ dann mit seiner Formation „The Funk Apostles“ auf der Bühne: Soul und Funk von Marvin Gaye und Stevie Wonder bis Gnarlz Barkley, spielfreudig in Szene gesetzt und reichlich gewürzt mit spontanen Improvisationen werden den Großen Saal der Alten Oper zumindest teilweise in einen Club verwandeln.

Cory Henry | Hammond B3, Keyboards, Vocals
Denise Stoudmire | Vocals
Tiffany Stevenson | Vocals
Nicholas Semrad | Keyboards
Adam Agati | Guitar
Sharay Reed | Bass
TaRon Lockett | Drums

WEBLINKS

Cory Henry im Internet: http://coryhenry.com/

Tickets bestellen

Videos (YouTube)