Abschlusskonzert Mousonturm

48. Deutsches Jazzfestival Frankfurt
Abschlusskonzert
Sonntag 29. Oktober 2017
20:00, Mousonturm

Shabaka Hutchings
Shabaka Hutchings

Shabaka and the Ancestors

„Jazz ohne Grenzen“ will Shabaka Hutchings machen, denn es geht ihm „um Klangfarben und Texturen, weniger um Akkordprogressionen. Die meiste Musik, die ich mir anhöre, hat ihre Wurzeln in Afrika. Dort steht die rhythmische Entwicklung, die Entwicklung von Melodien und Klängen im Vordergrund, nicht die harmonische Struktur. Daraus beziehe ich meine Inspiration.“ Soweit Hutchings im Interview mit dem Magazin Jazzthing, das ihn als „neuen Star der englischen Post-Jazz-Szene“ feiert. Tatsächlich spielt der Londoner kaum noch in Jazzclubs, weil die schlichtweg zu klein geworden sind. Seine Band „Sons of Kemet“ zieht 700 überwiegend junge Menschen ins „Village Underground“, die sich zu der eigenwilligen Musik von zwei Schlagzeugern, Tuba und Saxofon in einen Rausch tanzen. „Wir zielen auf körperliches Hören. Das Publikum bewegt sich, die Musiker bewegen sich. Es entstehen gemeinsame Schwingungen“, beschreibt Shabaka die Spielhaltung des Quartetts, die für seine anderen Bandprojekte gleichermaßen gilt: für die psychedelischen Klangorgien seines Elektro-Trios „The Comet is Coming“ wie für seine südafrikanische Großformation „The Ancestors“.

„Wir wollen dem Publikum etwas geben, das über uns hinausgeht.“ Und das ist mehr als „nur“ eine gemeinsame Erfahrung von Ekstase und Katharsis. Wie die Calypso-Sänger der Karibik versteht sich Shabaka Hutchings als Entertainer und Chronist in Personalunion. 1984 in London als Sohn afrokaribischer Eltern geboren, lebte er vom sechsten bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr auf Barbados, wo er eine klassische Klarinettenausbildung begann, aber auch in Calypso-Bands spielte. Diese Doppelexistenz setzte sich später in London fort, wo er tagsüber Klarinette an der renommierten Guildhall School of Music studierte und sich abends in die Jazzszene der Stadt stürzte. Bald spielt er mit Courtney Pine’s Jazz Warriors ebenso wie mit Soweto Kinch, Louis Moholo, Mulato Astatke, der Band Polar Bear oder auch dem Sun Ra Arkestra. Von Postbop bis Free und von World Jazz bis zu den angesagtesten Formationen des zeitgenössischen britischen Jazz, damit ist die  erstaunliche Breite von Shabaka Hutchings Schaffens längst noch nicht vollständig umrissen, denn er hat auch Kompositionsaufträge für Orchester und Kammermusik erhalten und man hört sogar von dem Plan, eine Oper zu schreiben. Die Liste seiner Auszeichnungen, vom MOBO-Award (2013) bis zum Jazz FM Award als UK Act of the Year (2017), belegen eindrucksvoll die Ausnahmeklasse dieses erstaunlichen Musikers.

Als Shabaka 2008 zum ersten Mal nach Südafrika reiste, staunte er über die hochkarätige junge Musikerszene, das begeisterungsfähige Publikum und die warmherzige, offene Art der Menschen. Dies und die Liebe zu einer Frau führten dazu, dass er von da an mehrere Monate des Jahres in Johannesburg verbrachte. Mit  „Wisdom of the Elders“ stellte Hutchings dann 2016 seine südafrikanische Band „The Ancestors“ vor: Eine kraftvolle Frontline aus drei Bläsern, die auch Art Blakey’s Jazz Messengers zur Ehre gereicht hätte, wird getragen vom polyrhythmischen Teppich aus Tasten, Bass, Schlagzeug und Perkussion und ergänzt um die kraftvolle Stimme von Siyabonga Mthembu, der zornig rezitiert oder im Unisono mit dem Tenorsaxofon singt. In dieser farbenreichen Musik blitzen viele Bezüge auf: von Bitches Brew über die Last Poets und Afro-Futurusm bis hin zur Hymnik eines John Coltrane. Ja, man kann diese Musik auch intellektuell hören. Aber gleichzeitig kann man sich von den unwiderstehlichen afrikanischen und karibischen Rhythmen mitnehmen lassen auf einen Trip.

Shabaka and the Ancestors

Shabaka Hutchings | Tenor Sax
Mthunzi Mvubu | Alto Sax
Mandla Mlangeni | Trumpet
Siyabonga Mthembu | Vocals
Nduduzo Makhathini | Rhodes, Piano
Ariel Zamonsky | Bass
Gontse Makhene | Percussion
Tumi Mogorosi | Drums

Tickets im Vorverkauf: http://www.mousonturm.de/web/de/veranstaltung/shabaka-and-the-ancestors
VVK 27,50 EUR   (Dieses Konzert ist unbestuhlt!)